Das Corona-Virus in Zahlen und Fakten: Hält der Lockdown, was er verspricht?

Während die COVID-19 Pandemie in vielen Ländern ihren Höhepunkt erreicht, werden die Reibereien über die besten Strategien zunehmend ernster. Erst kürzlich sprach sich Elon Musk gegen die Fortsetzung des Lockdowns aus und wie andere, die es gewagt haben, sich gegen den Lockdown zu äußern, wurde er dafür von einer lauten, zur Diskussion unfähigen Meute scharf kritisiert. Ein eindeutiges Beispiel dafür, was heutzutage geschieht, wenn Menschen es wagen, die dominante Narrative zu hinterfragen. Dieser Trend des Gruppendenkens führt nicht nur zu Fehlentscheidungen, es ist auch ein sicherer Weg, die Grundwerte der Demokratie massiv zu untergraben.

“The most difficult subjects can be explained to the most slow-witted man if he has not formed any idea of them already; but the simplest thing cannot be made clear to the most intelligent man if he is firmly persuaded that he knows already, without a shadow of doubt, what is laid before him.”

Leo Tolstoy

Leo Tolstoy sagt damit, es sei geradezu unmöglich, jemandem etwas verständlich zu machen, wenn derjenige glaubt, die Antwort bereits zu kennen.

Unabhängig der eigenen Einschätzung der implementierten Strategien, muss eines doch klar sein. Eine einfache Antwort gibt es nur selten. Ob man das Corona-Virus betrachtet oder den Gemüseanbau, jede Strategie und Richtlinie hat ihre Vor- und Nachteile. In Bezug auf das Corona-Virus existiert bisher wenig Einigkeit hinsichtlich der Fallzahlen, der Dauer der Maßnahmen zur Eindämmung oder das Risiko einer zweiten Infektionswelle. Politiker würden uns gern glaubend machen, dass es nur diese eine, einfache Antwort ohne Schattenseite gibt, doch das ist Wunschdenken in der Politik ebenso wie im Leben. Es gibt immer ein „aber“ und jeder, der das Gegenteil behauptet, versucht den Menschen einen Bären aufzubinden. Das ist der Grund, weshalb die Diskussion der Fakten und Unvoreingenommenheit die absolut kritischen Aspekte sind, wenn es darum geht, Strategien zu entwerfen, die so ausschlaggebend sind wie die, die man zurzeit sieht. Lassen Sie uns nun den Blick auf einige Fakten zum Corona-Virus richten, die gern ignoriert werden:

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1. Die meisten von uns werden nicht sterben

Die absolute Mehrheit der Bevölkerung hat ein verschwindend geringes Risiko, an dieser Krankheit zu sterben. Der meistens übersehene oder bewusst ignorierte Fakt über COVID-19 ist, dass es sich nicht auf alle gleichschwer auswirkt und wie bei vielen anderen Krankheiten, besteht für ältere Menschen ein höheres Risiko. Nicht verwunderlich. Die Daten aus New York, dem Epizentrum der Krankheit in den USA, zeigen ein Risiko für Menschen im Alter von 18 bis 45, welches bei 0,01% liegt. Das ist alles. Über 95% der, durch das Corona-Virus, Verstorbenen waren über 50 Jahre alt und 90% litten an Vorerkrankungen. Die meisten Erkrankten zeigten nur leichte Symptome und die Hälfte der positiv getesteten Personen, hatten gar keine Symptome. Und das bezieht sich nur auf die getesteten Personen.

Die Jungen und Gesunden sehen sich längst nicht den gleichen Problemen gegenüber wie die Älteren oder Kranken. Und dennoch behandelt man die Situation, als wären alle dem gleichen Risiko ausgesetzt. Politiker werden immer die Lösung mit der besten Außenwirkung wählen, vorgebend allen damit zu helfen und niemanden zu benachteiligen. Aber wir können nun einmal nicht alle über einen Kamm scheren. Unsere besondere Sorge sollte nicht sein, die Infektionsrate zu senken, insbesondere wenn eine zweite Welle so oder so droht. Unsere besondere Sorge sollte dem Schutz der älteren Menschen gelten. Ihr Schutz ist nicht gerade gut zu gewährleisten, wenn dieses Virus noch mehrere Jahre im Land kursiert und die Wirtschaft zusammenbricht. Die unterschiedlichen Auswirkungen auf die Bevölkerung sind etwas, das man bedenken muss, denn bisher ist das Alter der beste Risikoanzeiger, der in die Strategien einbezogen werden sollte.

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2. Die Modelle sind schlecht

Jeden Tag wird man in den Nachrichten mit neuen Modellen konfrontiert. Neue Vorhersagen der hochgerechneten Todeszahlen ausgewählter Wissenschaftler, während die ignoriert werden, die nicht in die aktuelle Narrative passen. Üblicherweise ausgelassen wird, wie fadenscheinig die Modelle sind und dass sie nur ausgesprochen selten die Realität abbilden. Verstehen Sie mich nicht falsch, es gibt einige brillante, hart arbeitende Wissenschaftler, die diese Modelle erarbeiten und täglich aktualisieren. Allerdings können sie einfach nicht genug Daten gewinnen. Selbst wenn sie das schaffen würden, wären sie nicht in der Lage, eine genaue Vorhersage zu machen.

Erstens gibt es nicht genügend Tests, sodass die aktualisierten Fallzahlen, wohlwollend gesagt, nicht viel aussagen. Weniger wohlwollend ausgedrückt, können diese Zahlen sogar irreführend sein. Der Stanford Antikörpertest in Santa Clara hat herausgefunden, dass die Zahl der Infizierten 50 – 85 Mal so hoch sein könnten wie die offiziellen Zahlen. Stellen Sie sich vor was diese Diskrepanz für die Lockdown-Vorhersagen bedeutet. Wie geht man mit Daten aus Ländern wie China um, wo wissenschaftliche Forschung in das Sci-Fi/ Fantasy-Genre fällt oder aus dem Iran, wenn selbst unsere Zahlen so ungenau sind? Einer der Nachteile an Katastrophenmodellen ist, dass wir uns aus Angst an diese hypothetischen Vorhersagen der Zukunft klammern und uns weigern denen Hilfe zu bieten, die unter den momentanen Bedingungen leiden.

Zweitens, selbst wenn die Daten eines Landes vollständig vorlägen, wie geht man mit den Variablen darin um? Wie bezieht man beispielsweise Daten aus Italien ein, wo der normale Unterhaltungsabstand der Breite einer Mikrobe entspricht und vergleicht sie mit Schweden, wo man seine Nachbarn ungefähr zweimal jährlich durch ein Teleskop sieht? Jedes Land hat einen prozentual unterschiedlichen Anteil an älteren Menschen in der Bevölkerung, eine unterschiedliche Bevölkerungsdichte, unterschiedliche Gepflogenheiten, eine unterschiedliche medizinische Versorgung. Bezieht man all das mit ein, wie können dann genaue Modelle erstellt werden? Ganz einfach. Gar nicht. Die Modelle weichen stark voneinander und von der Realität ab. Es gibt so viel Heterogenität auf der Welt und man sollte akzeptieren, grob richtig zu liegen als genau falsch.

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3. Die Kurve abflachen bedeutet die Kurve abflachen

Die Kurve abflachen ist eine dieser Phrasen, die wochenlang im Sammelbecken der Überschriften der Nachrichten kursierten. Die Idee dahinter war, dass man alles abriegelt, die Infektionsrate senkt, die Verbreitung in der Bevölkerung verlangsamt und das Gesundheitssystem nicht überlastet wird. Guter Plan. Aber das vernachlässigt die wiederkehrende Natur des Virus sowie den Effekt, den ein langfristiger Lockdowns der Arbeitskräfte auf die Gesellschaft hätte. Wir können nicht alle politischen Auswirkungen mit einem Maß messen und die Welt endet nicht mit dieser Pandemie. Die Menschen werden zur Normalität zurückkehren müssen und je eher desto besser.

Dem Vorsitzenden des UN World Food Program zufolge werden wir nun möglicherweise mit ‚Hungersnöten biblischen Ausmaßes‘ konfrontiert. Mehrere Nationen in Afrika beklagen bereits Nahrungsmittelengpässe durch diese Pandemie und die Schließung immer weiterer Produktionsstätten hilft nicht bei der Lösung dieses Problems. Während im Westen alles noch relativ normal ist, werden die Lieferketten durch den Lockdown dünner und die Wirtschaft wird ihre Talfahrt fortsetzen. Das sind nicht die Nachrichten, die wir hören wollen, aber das sind die, denen wir zuhören sollten.

Immer wieder höre ich das Argument, die Lockdown-Strategie zu hinterfragen bedeute, die Wirtschaft über Menschenleben zu stellen. Was man dabei verstehen muss ist, dass die Wirtschaft das Leben der Menschen ist. Der Lebensstandard, ob man einen Job hat, die finanziellen Mittel für Krankenhäuser, die Wohlfahrt – sie alle sind abhängig von der Wirtschaft. Der Shutdown der Wirtschaft über einen längeren Zeitraum kann mehr Menschenleben kosten als das Virus selbst. Außerdem führt der Lockdown zu Isolation und dem Verlust der Sinnhaftigkeit, was zu einer steigenden Suizidrate und Alkoholismus führt. Das sind keine irrelevanten Faktoren. Wenn diskutiert wird, ob und für wie lange der Lockdown beibehalten wird, kann nicht immer gesagt werden, es sei um Großmutter zu schützen, ohne auch einzubeziehen, was es mit dem Rest der Familie macht.

Du herzloser Bastard

All diese Dinge müssen mitbedacht werden, wenn Corona-Virus Strategien diskutiert werden. Es ist keine einfache Sache. Es gibt keine einfache Antwort. Lockdowns haben ihre Vorteile, aber auch viele Nachteile. Die Idee der Herdenimmunität, wie Schweden sie verfolgt, ist keine herzlose Aktion wie manche meinen. Es ist eine Lösung, die versucht, die Langzeitprobleme wie saisonale Infektionswellen sowie einen Impfstoff zu adressieren. Es ist eine Lösung, die es dem Land eventuell erlaubt, diese Pandemie ohne zu überstehen, ohne die Wirtschaft auf Jahre zu ruinieren und eine Massenarbeitslosigkeit zu kreieren. Die vorherrschende Argumentationslinie urteilt, den Lockdown abzulehnen sei gleichwertig damit, Menschen den Tod zu wünschen oder Menschen gingen nur raus, um zum Frisör zu gehen, zeigen mangelndes Nachdenken und eine Ignoranz, die gewöhnlich für Obst

Dank empirischer Daten weiß man, welcher Personenkreis der Bevölkerung Ziel des Schutzes sein sollte. Anstelle einer umfassenden Lockdown-Strategie sollte man vielleicht strategisch diejenigen isolieren, die am meisten gefährdet sind und nicht die Wirtschaft zum Wohle der scheinbaren Barmherzigkeit zerbrechen lassen. Man sollte sich auf das beziehen, was man weiß, statt auf das, was man fürchtet. Man sollte alle Negativaspekte abwägen und langfristig denken, anstatt sich von Emotionen ablenken und von einer Schwarz-Weiß-Sicht auf die Welt irreführen zu lassen. Und insbesondere sollte man den Glauben an das Gute behalten, anderen zuhören und die eigenen Überzeugungen hinterfragen, um die beste Strategie zu entwerfen, nicht die populärste.

Original article: Coronavirus Numbers and Facts: Are the Lockdowns Worth It?

Translated by: Jacqueline Andreß

Title Photo by Markus Spiske from Pexels